Mein Freund der Baum - der Obstbaumschnitt

Vor dem Schnitt
Apfelbaum Schnitt
Obstbaum Schnitt 1
Obstbaum Schnitt 2
Obstbaum Schnitt 3
Nach dem Schnitt

Beim Obstbaumschnitt sollte man sich folgendes vor Augen halten: Der Baum steht mit seinen Wurzeln im Gleichgewicht. Man weiß heute, dass das Ausmaß der Wurzel in etwa so groß ist wie die Krone des Baumes.

Wenn man dem Baum also im Kronenbereich ca. 30% wegschneidet und im Wurzelwerk alles unverändert bleibt, versucht er so schnell wie möglich das Gleichgewicht wieder herzustellen.

Deshalb sollte man die Schneidearbeiten auf mehrere Jahre verteilen.

Bei einem einmaligen starken Schnitt wird der Baum dieses Ungleichgewicht ausgleichen und versuchen die verlorenen 30% der Krone  so schnell als möglich wieder nach zu treiben. Das macht er in Form von Wassertrieben. Diese sind aber für den Baum keine wertvollen Triebe.

Da ihr Baum natürlich wertvolles Fruchtholz  bekommen soll, rate ich Ihnen zu Geduld und langsamen Vorgehen.

Herbst oder Frühjahr - wann soll ich schneiden?

Über den richtigen Zeitpunkt zum Schneiden der Obstbäume wird viel gesprochen. Der genaue Zeitpunkt ist meines Erachtens nicht so entscheidend. Wir schneiden die Bäume im Winterhalbjahr. Wenn die Bäume Ihre Winterruhe beginnen ab November oder noch nicht davon erwacht sind bis ca. März, haben Sie all Ihre Kraft aus den Ästen genommen und im Wurzelwerk gut geschützt zum Überwintern gespeichert. Das ist der geeignetste Zeitraum für den Schnitt. Wichtig dabei ist, dass der Austrieb noch nicht so weit fortgeschritten ist, dass man beim Herausziehen der abgeschnittenen Äste Blütenknospen beschädigt und abreißt.

Meiner Ansicht nach sind die Monate Februar und März am geeignetsten, denn da erwachen die Bäume schon langsam wieder. Es findet wieder mehr Stoffwechsel in den Pflanzen statt, sodass auch die Wunden schneller verheilen.

Bei Kirschbäumen kann durchaus im Juni geschnitten werden, wenn der Baum Früchte trägt. Das ist ein sehr guter Zeitpunkt. Dabei schneidet man den Ast mitsamt der Früchte ab.

Das Werkzeug

Schneiden am Baum sollte wirklich nur mit geeignetem Werkzeug erfolgen. Dazu zählen vor allen Dingen eine extrem scharfe Säge, falls Sägen notwendig ist und ebenso scharfe Scheren. Nur so bekommt man einen sehr glatten Schnitt der wieder schnell verheilt (siehe Fotos Säge und Schnittflächen).

Verwenden Sie nur stabile, ausreichend große Leitern für Ihre Schneidarbeiten. Küchenleitern oder Haushaltsleitern sind schlecht geeignet. Unter Obstbäumen ist in der Regel kein gerader oder fester Untergrund. Das begünstigt die Unfallgefahren wie Wegrutschen oder Umkippen durch einseitiges Einsinken. Dadurch kann es zu schweren Unfällen kommen. Bitte gehen Sie keine unnötigen Risiken ein und vereinbaren lieber einen Termin mit unseren Fachkräften. Sie haben das notwendige und geeignete Werkzeug dabei, denn eine gute Leiter für diese Arbeiten ist sehr teuer. Diese, eigentlich notwendige, Anschaffung ist für Hobbygärtner oft unrentabel. Aus der Vergangenheit hält sich noch die Regel, dass bei etwas größeren abgeschnittenen Ästen (Umfang ca. ein altes 5-Mark-Stück) die Schnittfläche mit einem Wundharz verstrichen werden soll. Davon rate ich ab, denn gerade unter diesem Wundwachs bilden sich sehr gerne Pilze aus, die Ihrem Baum mehr schaden als der eigentliche Schnitt. Wenn Sie wirklich  scharfe Scheren und Sägen verwenden kann der Baum diese Schnittfläche sehr gut aus eigener Kraft heilen. Die Kosten und Zeit für Wundharz können Sie sich sparen.

Welchen Baum schneide ich?

Junge Bäume die erst in den letzten Jahren gepflanzt worden sind haben meist in der Baumschule schon einen Grundschnitt erhalten, das heißt es gibt einen Gipfeltrieb in der Mitte und etwa 3-4 Leitäste an den Seiten. Mit diesem Gerüst wird die spätere Krone aufgebaut.

Der Schnitt von solchen jungen Bäumen kann auch Laien in ca. 1-2 Tagen vermittelt werden und sehr gut selbst durchgeführt werden.

Alte Bäume: Anders sieht es aus bei alten, zum Teil über Jahre vernachlässigten Bäumen. Diese Äpfel-, Birnen- oder Zwetschgenbäume sollten Sie besser in die Hand eines Fachmanns geben, denn da ist sehr viel Erfahrung nötig. Man muss die Vitalität des Baumes erkennen und abschätzen ob es Richtung Neuholzbildung zu schneiden gilt oder ob man lieber Fruchtholz entfernt weil der Baum sich schon in der Frucht erschöpft. Manchmal ist es sogar umgekehrt und der Baum wurde bereits einmal stark geschnitten und hat einen erhöhten Austrieb von sogenannten Wassertrieben. Da braucht der Baum wieder Beruhigung und muss langsam zur Bildung von Fruchtholz herangeführt werden. Genau dies erfordert also die jahrelange Erfahrung von unseren Profis.

Natürlich gehört es bei so einem alten Baum (im Beispielfoto ein alter Apfelbaum) auch dazu Totholz oder auch unterständige Äste (also Äste die schon wieder nach unten wachsen) die vom Saftstrom nicht mehr gut erreicht werden zu entfernen. Auch senkrecht nach oben wachsende Äste sollten nach und nach über Jahre entfernt werden.

Grundsätzlich gilt nämlich: Ein Baum der über Jahre nicht oder falsch geschnitten wurde kann nicht mit einem einzigen Schnitt vom Fachmann wieder “in Ordnung” gebracht werden. Diese Bäume brauchen eine fachmännische Begleitung von mindestens 3 Jahren oder noch besser 5 Jahren (je nach Zustand), in der die Erhaltung des Baumes und seine Vitalität im Vordergrund steht. Erst in zweiter Linie kann er langsam wieder an einen möglichen Ertrag heran geführt werden. Denn bei sehr alten Bäumen die nie oder falsch geschnitten wurden besteht natürlich die Gefahr, dass diese zusammenbrechen und man sie ganz verliert.

Sollten Sie spezielle Fragen haben oder einen Termin vereinbaren wollen, gelangen Sie hier zum Kontaktformular.

„Mit diesen Tipps gerüstet können Sie sich nun an Ihren Freund den Obstbaum heran wagen“

– Thomas Hutzler (Gärtnermeister)

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